FHM-Studie: Mittelständler horden Barreservern

Im Durchschnitt verfügen kleinere und mittlere Betriebe in Deutschland über 5,9 Millionen Euro an Liquidität. Eine gute Nachricht, wenn nicht zahlreiche Betriebe ihr Geld horten würden. Zukunftsorientierte Investitionen werden kaum getätigt. Viele Unternehmen schöpfen auch nicht das Potential alternativer Finanzierungsquelle aus. Auch wenn es der deutschen Wirtschaft gut geht, bleibt ein fahler Beigeschmack.

Quelle: skeeze/pixabay.com

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Der deutsche Mittelstand schwimmt im Geld

Die Steigerung ist enorm: Verglichen mit den Zahlen aus dem letzten Jahr, stieg die Liquidität der kleinen und mittleren Betriebe von 2,7 Millionen Euro auf sagenhafte 5,9 Millionen Euro an. Die Zahlen basieren auf einer Studie der Fachhochschule des Mittelstands (kurz: FHM); die Mittelstandsbank der Commerzbank hat die Studie in Auftrag gegeben und in weiterer Folge veröffentlicht. Auch wenn nicht alle der 1.400 befragten Unternehmen hohe Gewinne verbuchen, geht es dem deutschen Mittelstand jedoch sehr gut. Bei einer durchschnittlichen Liquidität in Höhe von 5,9 Millionen Euro, kann man der Meinung sein, die deutschen Mittelständler schwimmen bereits im Geld. Doch auch wenn der deutsche Mittelstand gesund ist, möchten nur wenige Betriebe das Geld in zukünftige Projekte investieren.

Das Geld wird gehortet

Das Geld wird nicht investiert, sondern gehortet. “Zahlreiche Betriebe sind zurückhaltend, wenn es um Erweiterungsinvestitionen geht. Zudem wird der Großteil der Ersatzinvestitionen noch immer über das Eigenkapital finanziert“, so Andreas Killmaier, der Bereichsleiter für Firmenkunden der Südwestbank. Doch warum sind die deutschen Unternehmen skeptisch? Killmaier weiß, dass es zahlreiche Gründe gibt, warum die Unternehmer lieber das Geld horten, bevor sie es in Betriebserweiterungen investieren. „Einerseits möchten die Unternehmen unabhängig von den Banken bleiben, andererseits wissen die heutigen Unternehmer auch, dass es gar nicht so einfach ist, einen langfristigen Kredit zu bekommen”. Kurt Straubinger ist CFO der Joma-Polytec GmbH und weiß, dass Banken kaum Finanzierungen gewähren, die eine Laufzeit von fünf Jahren überschreiten. “Wer einen langfristigen Kredit abschließen möchte, muss eine Förderbank kontaktieren”.

Kommt es zu einer europaweiten Lösung?

Bis zum Jahr 2020 könnte es zumindest noch eine europäische Lösung für die Finanzierungsproblematik geben. Die Europäische Union plant die Etablierung der Kapitalmarktunion, sodass es den Betrieben möglich werden soll, preisgünstige Finanzierungen aus anderen EU-Staaten zu erhalten. Ein derartiger Aktionsplan, der in weiterer Folge für die Umsetzung des Kapitalbinnenmarktes sorgt, wurde bereits von der EU-Kommission verabschiedet.

Quelle: skeeze/pixabay.com

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Der Online-Wertpapierhandel

Die Studie hat aber auch eindrucksvoll gezeigt, dass sich das Verhalten der Unternehmen – bezugnehmend auf den Wertpapierhandel – ebenfalls geändert hat. Bislang wurden ausschließlich der Zahlungsverkehr und auch die Verwaltung der Tages- und Termingelder online abgewickelt; heute können sich bereits ein Drittel der Unternehmer vorstellen, auch ihre Wertpapiere online zu handeln. Die Mittelstandsbank hat bereits reagiert und bietet auf der eigenen Plattform Informationen an, sodass all jene, die sich für diesen Schritt entscheiden, Unterstützung erhalten. Warum sich die Mittelständler nun mit dem Online-Wertpapierhandel beschäftigen, ist leicht zu erklären: Online-Banking ist nicht mehr aus dem tagtäglichen Leben wegzudenken; die Mittelständler haben sich an die neuen Systeme gewöhnt, Barrieren abgebaut und Vorteile erkannt. Nun steigt zum ersten Mal seit Jahren die Bereitschaft, andere Finanzdienstleistungen online abzuschließen.

Alexandra Rüsche 14. November 2016